Doktor Pascal by Émile Zola
Author:Émile Zola
Language: deu
Format: epub
Publisher: (Privatkopie)
Published: 2011-08-22T16:00:00+00:00
Kapitel IX
Doktor Pascal machte also weiter seine Arztbesuche in der Stadt und auf den umliegenden Dörfern. Und fast immer hatte er Clotilde am Arm, die ihn zu den armen Leuten begleitete.
Aber wie er ihr eines Nachts ganz leise eingestand, unternahm er diese Gänge nur noch, um den Kranken Erleichterung und Trost zu bringen. Schon früher hatte er den Arztberuf nur mit Widerwillen ausgeübt, weil er fühlte, wie nichtig die ganze Behandlung war. Der Empirismus brachte ihn zur Verzweiflung. Da die Medizin nun einmal keine experimentelle Wissenschaft war, sondern eine Kunst, war er unsicher angesichts der grenzenlosen Kompliziertheit, die Krankheit und das richtige Heilmittel bei dem jeweiligen Kranken herauszufinden. Die Heilverfahren änderten sich mit den Hypothesen: wie viele Menschen mochten wohl früher durch die Methoden ums Leben gekommen sein, von denen man heute bereits abgekommen war! Der Spürsinn des Arztes war alles, der Heilende war nur noch ein glückbegabter Wahrsager, der selber im finstern tappte und seine Heilerfolge den zufälligen Eingebungen seines Geistes verdankte. Und daraus erklärte sich, warum Pascal nach zwölf Jahren Praxis seine Patienten beinahe ganz aufgegeben hatte, um sich ausschließlich ins Studium zu stürzen. Als dann seine großen Arbeiten über die Vererbung ihn einen Augenblick wieder hatten hoffen lassen, daß er eingreifen, daß er mit seinen subkutanen Injektionen heilen könnte, hatte er sich von neuem begeistert. Doch inzwischen war sein Glaube an das Leben, der ihn trieb, das Wirken des Lebens durch die Wiederherstellung der Lebenskräfte zu unterstützen, noch größer geworden und hatte ihm die höhere Gewißheit gegeben, daß das Leben sich selbst genügte, daß das Leben allein Gesundheit und Kraft spendete. Und mit seinem ruhigen Lächeln besuchte er weiterhin nur jene Kranken, die laut nach ihm verlangten und die sich wunderbar erleichtert fühlten, selbst wenn er ihnen Einspritzungen mit klarem Wasser machte.
Clotilde erlaubte sich jetzt bisweilen, darüber zu scherzen. Sie blieb im Grunde eine glühende Anhängerin des Mysteriums; wenn er auf diese Weise Wunder bewirke, sagte sie fröhlich, so deshalb, weil er in sich die Macht dazu habe wie ein wirklicher lieber Gott! Pascal wiederum schrieb ihr die Wirkung ihrer gemeinsamen Besuche zu und behauptete, daß er nur noch heilen könne, wenn sie dabei sei, daß sie es sei, die den Odem des Jenseits, die unbekannte und notwendige Kraft, mitbrächte. Daher müßten die reichen Leute, die Bürger, zu denen sie nicht mit hineingehen wollte, weiter jammern, ohne daß irgendeine Erleichterung für sie möglich sei. Sie hatten ihr Vergnügen an diesem zärtlichen Disput, sie zogen jedesmal wie zu neuen Entdeckungen aus und warfen sich bei den Kranken oft Blicke des geheimen Einverständnisses zu. Ach, dieses elende Leiden, das sie empörte, das allein sie noch bekämpfen wollten – wie glücklich waren sie, wenn sie es besiegt glaubten! Sie fühlten sich auf göttliche Weise belohnt, wenn sie sahen, wie der kalte Schweiß trocknete, wie die schreienden Münder still wurden, wie die erstorbenen Gesichter wieder Leben bekamen. Es war offensichtlich ihre Liebe, die ihnen zur Seite ging und die der leidenden Menschheit in diesem Erdenwinkel Linderung brachte.
»Sterben ist nicht schlimm, das ist ganz in der Ordnung«, sagte Pascal oft.
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